Die erste Nacht:
Rot glühten die Feuer des Gortakgûm. Die Verbündeten waren mit ihren Kriegern gerade eingetroffen um die Skullrott darin zu unterstützen den moravorischen Feind, der sich im Frühjahr die Provinz Mortanuk genommen hatte, zurück zu schlagen.
Nur wenige Uruk der Moskutar waren im Feldlager zurückgeblieben während Lûgburz Gorz den Rest des Trupps die Südflanke der Coigg Zarrak hinunter an die Front an der Alten Oststraße geführt hatte.
Lûgburz Slaithopp, der die kärgliche Gesandtschaft der Kulkodar Bajrak und Shammorrhas’ empfangen musste, versuchte sich seine Verzweiflung über deren geringe Anzahl nicht anmerken zu lassen. Die andere Sache, die dem Lûgburz der Moskutar Kummer bereitete, war dass in diesen Tagen und Nächten einer seiner Lûgdush zum Lamosh geweiht werden sollte ohne dass die mächtigen Skruutch aus Shakrannt davon Wind bekämen. Für die geheime Weihe sollten drei Boten des dunklen Sadûm auf verschiedenen Wegen bis zum Stützpunkt der Moskutar gelangen um dem Unwürdigen ihre Gaben vor die Füße zu werfen.
Als Slaithopp also gerade sein Möglichstes an geheuchelter Dankbarkeit über den angereisten Verbündeten ausschüttete, erblickte er einen abgekämpften Tragash auf sich zu stolpern. Schnell ließ sich der Lûgburz von diesem Kundschafter berichten, denn er ahnte bereits dass die Nachricht nicht gut sein würde. Auf dem Pfad, der insgeheim für den Boten des Gôre-Sadûm vorgesehen war, hatte der Tragash ein Feldzeichen der Shin Jengesh aus Shakrannt unter dem Laub hervor gezogen. Der erste der drei Boten war somit in größter Gefahr. Seine Aufgabe war bekannt und sein Weg nicht länger geheim. Sollte die Lamosh-Weihe nicht scheitern so musste Slaithopp nun schnell handeln. Die beiden Boten des Gôre-Sadûm, die kein geringerer gesandt hatte als der gefährliche Irre der Kupra Turach, würden vermutliche in einen tödlichen Hinterhalt geraten wenn keine Unterstützung käme.
Also rückte Slaithopp mit einem Teil der Lûgdushar Brassknorrwag, Ashdar und den Kriegern der Kulkodar Bajrak und der von Ushnotz gesandten Strack aus dem Gortakgûm ab und marschierte nach Westen um dem Orm-Rashatt, der die Krieger der Kupra Turach führte, entgegen zu eilen.
Der Trupp hetzte durch die Nacht dem südlichen Eingang zum Knochenweg, der unter dem Polguruz Flakûl hindurch führte, entgegen. Als sie die Seilleitern hinab in die Tiefe stiegen wurden die Boten des Gôre-Sadûm gerade von Bogenschützen aus Shin Jengesh auf der anderen Seite des Höhlenwegs in den nördlichen Eingang der unterirdischen Passage getrieben. Doch statt sich im Inneren der Höhle sicher zu fühlen beschlich Slaithopp gleich ein mulmiges Gefühl: Die Suk-Makai, jene Ushtarak die mit der Bewachung und Instandhaltung des Knochenwegs betraut war hatte keinen einzigen Wächter an den Einstiegen postiert! War es Disziplinlosigkeit? Nicht bei der gestrengen Hand eines Lûgburz Trâgosh! Hier unten war etwas Gemeineres am Werk! Die Murtagûr ging um und forderte ihre Opfer! Der Slogurch, der schwarze Pestbringer, hatte sich wieder einmal in einen Uruk der Suk-Makai verbissen ohne ihm den gnadenvollen Tod zu bringen. Das verwundete Opfer hatte sich also die Stollen hinauf zu seiner Truppe gequält und all die Anderen mit der tödlichen Seuche angesteckt. Nicht dass für solche Unfälle keine Vorkehrungen getroffen worden waren! Nein, in jeder der drei Wachkammern des Knochenweges gab es ein Fläschchen mit dem Gegengift! Warum hatte diese Vorsichtsmaßnahme ihre Wirkung verfehlt? Als der Angriff der wahnsinnigen Suk-Makai dann über den Rettungstrupp hereinbrach war der Gedanke an die nächstgelegene Wachkammer und das Gegengift auch schon alles was Slaithopp einigermaßen Herr der Lage bleiben ließ.
Brok Bannoks Leibwächter war eines der ersten Opfer, er wurde von den Suk-Makai in ein Loch gezogen und dort verstummten dann seine quiekenden Schreie. Dann verlor der Trupp einen Kulkodar-Krieger und Uglathar Morlok bei der Flucht durch den Oststollen. Ein heilloses Chaos brach über sie herein als sie in der ersten Wachkammer nur die Scherben der Fläschchen vorfanden wo sie das Gegengift erhofft hatten. Stattdessen fielen die Suk-Makai über sie her – in diesem Zustand sind sie wie Tiere! Irgendwann war der Trupp endlich bis zur Hälfte des Höhlenwegs vorgestoßen und tatsächlich erblickten sie dort, umstellt von Seuchen schleudernden Suk-Makai Snaatsh und Snarrot die Boten des Gôre Sadûm. Endlich konnten die Gesandten der Kupra Turach ihrem Hass freien Lauf lassen und ihren Blutdurst an den Suk-Makai stillen.
Der Orm Rashatt war auch nicht müßig geblieben und hatte in der zweiten Wachkammer das einzige unzerbrochene Fläschchen des Gegengifts aufgespürt. Übel roch es hier unten nach Verrat! Als hätten die Shadai aus Shin Jengesh die Suk-Makai absichtlich für ihre Zwecke ans Messer geliefert! Doch nun da die erste der drei Gaben ihren Weg zur Moskutar gefunden hatte musste sie so schnell wie möglich zurück in das befestigte Gortakgûm gebracht werden! Nichts wie raus aus diesem verfluchten Höllenschlund war der Gedanke der nun alle antrieb! In der großen Osthalle stießen sie nochmals auf Widerstand den sie aber hinfort fegten, denn sie konnten den Ausgang bereits riechen. Slaithopp war so sehr damit beschäftigt die anderen vor sich her zu treiben, dass er auf dem Felskopf auf dem er stand gar nicht bemerkt hatte wie die Suk-Makai herauf gekrochen waren und den Halbkreis langsam um den Lûgburz zuzogen. Böse Zungen sollen danach behauptet haben, Lûgburz Slaithopp hätte geschrien wie eine Welpe als die Suk-Makai seine Beine packten um ihn wieder hinunter ins Loch zu ziehen. Doch der Griff des Orm Rashatt war stärker und so zog dieser den Lûgburz in die Freiheit!
Unter dem Schein des spottenden Mondes huschten sie über die Kämme der Coigg Zarrak gen Osten und erreichten schließlich das Feldlager an der Nordflanke der Kormagg-Goll. Der übrige Teil der Moskutar war ebenfalls von der Front im Süden zurückgekehrt und ließ sich, nicht ohne höhnische Blicke dabei zum Besten zu geben, von den Scharmützeln im Knochenweg berichten.
Währendessen riss Razshglob die Gabe des Gôre-Sadûm gierig aus den Händen der Kupra-Turach-Gesandten und begann unter den missfallenden Blicken der Boten mit dem Gôre-Sadûm zu tuscheln, es an sich zu schmiegen und hastige giftige Blicke des Misstrauens in Richtung derer zu schleudern die dafür geblutet hatten und es vor ihm begrabscht hatten. Dies war das erste Mal dass Slaithopp den Tag verfluchte an dem ihm sein Mûbshurrug verkündete dass die Moskutar bald einen Lamosh, einen Träger des Sadûm, in ihren Reihen haben sollten. Slaithopp musste sich angewidert abwenden als er den okkulten Schwätzer dabei beobachtete wie er verstohlen die mitgebrachte Gabe anglotzte!